
Säumige Zahler
WDR 5, Westblick, Juli 2008
Energieversorger haben immer mehr Probleme mit säumigen Zahlern. Die Zahl der Mahnungen, Sperr-Androhungen und Sperrungen wegen unbezahlter Rechnungen nimmt zu. Allein die Stadtwerke Lippstadt verzeichnen einen Anstieg von fast 60 Prozent. Auch die Stadtwerke Iserlohn müssen inzwischen bis zu 60.000 Mahnungen jährlich verschicken. Immer mehr Kunden können ihre Rechnungen nicht bezahlen. Aber gerade die großen Energieversorger machen Milliardengewinne. Ein Kommentar von Torsten Dreyer:
Die Außenstände bei den Energieversorgern steigen. Auch die Forderungen, die endgültig nicht mehr eingetrieben werden können, nehmen zu. Aber nicht die Kunden allein sind schuld, denn sie können häufig einfach nicht mehr zahlen. Zu stark sind die Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Löhne blieben dahinter zurück. Und gerade die großen Energieversorger haben Milliarden damit verdient. Wenn sie jetzt klagen, ist das nur die halbe Wahrheit. Sicher ist, dass Gas und Strom auch im Einkauf viel teurer geworden sind. Aber der Verdienst ist bei den großen Unternehmen häufig mit gewachsen. Die Aktionäre hat�s gefreut. Und die Kunden sind relativ weit weg. Dass diese jetzt zum Teil nicht mehr zahlen können oder aber den Konzernen den Rücken kehren, führt vielleicht zu einem Umdenken.
Anders ist die Situation bei den Stadtwerken: Sie können die Preiserhöhungen ihrer Lieferanten häufig nur weitergeben. Oft geschieht das � auch auf Wunsch der kommunalen Politik � mit Verzögerung oder nur eingeschränkt. Aber die Stadtwerke haben nicht nur eine Versorgerfunktion. Sie sollen auch Gewinne für die Städte abwerfen. Damit werden dann beispielsweise Verluste von Schwimmbädern ausgeglichen. Jede Preiserhöhung muss von den Aufsichtsräten genehmigt werden. Und dort sitzen Lokalpolitiker. Sie fordern hohe Gewinne, um die Stadtkassen zu sanieren. Niedrige Preise, um die Bürger nicht noch mehr zu belasten und möglichst viele gut bezahlte Arbeitsplätze. Aber alles zusammen geht nicht!
Die Lokalpolitik muss in Zukunft entscheiden, was sie will. Sollen die Gewinne weiter steigen, müssen auch die Preise angehoben werden. Sollen die Preise gleichzeitig niedrig bleiben, muss Personal entlassen werden. Denn die Einkaufspreise steigen für die Stadtwerke. Die meisten kommunalen Unternehmen haben alle Möglichkeiten zu sparen, schon ausgereizt. So wird Strom, Gas und Material gemeinsam eingekauft. Überflüssige Einrichtungen wurden abgeschafft.
Und wir Kunden? Wir haben die Möglichkeit zu wählen. Wir können unseren Versorger wechseln. Aber wir haben auch eine Verantwortung, denn lokale und regionale Versorger sichern Arbeitsplätze in der Region und der Schwimmbadeintritt müsste ohne die Überschüsse der Stadtwerke deutlich steigen. Das heißt aber nicht, den Stadtwerken einen Freibrief für Erhöhungen zu geben. Vielmehr sollten wir auf sie zugehen und nach preiswerten Tarifen fragen. Und wir sollten unsere Lokalpolitiker auffordern, sich für günstige Preise einzusetzen � auch wenn dann mal die Gewinne für die Stadt niedriger ausfallen. Die Nähe der kleineren Versorger kann so ein großer Vorteil für uns Kunden sein. Und die Zahl der säumigen Zahler könnte so auch wieder sinken.