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Drahtlose Welt

WDR 2, Zwischen Rhein und Weser, März 2001

Im sauerländischen Altena wurde heute ein populäres Handbuch zum Thema Draht vorgestellt. Auf 341 Seiten dreht sich alles um diesen scheinbar spröden Werkstoff. Aber jeder, der nicht gerade aus Altena und Umgebung kommt, fragt sich vielleicht, wozu braucht man Draht? Torsten Dreyer mit seiner Vision einer drahtlosen Welt:

Plötzlich erwache ich - mein Wecker, ja, was ist mit meinem Wecker? Nur noch die Plastikteile liegen verstreut auf dem Nachttisch: Federn, Kabel, Zeiger, Schrauben und Niete sind weg.

Und meine Brille? Ich habe sie doch neben den Wecker gelegt. Dort liegen aber nur noch die Gläser. Und jetzt sehe ich auch, warum ich wach geworden bin. Alle Bilder sind von der Wand gefallen, das Bücherregal liegt am Boden. Schrauben und Nägel sind weg. In der Glühbirne an der Decke fehlt der Glühfaden und sie ist mir nur nicht auf die Nase gefallen, weil die Kunststoffisolierung sie hält. Und jetzt merke ich auch, dass ich ganz unbequem liege. Die Federn aus Stahldraht sind ebenfalls verschwunden. Nach und nach wird mir klar, er ist da: der GADU - der Größte Anzunehmende Drahtunfall!

Kein direkter Draht mehr zum Drahtzieher, aber ich bin ja voll auf Draht und habe den heißen Draht - was mache ich nur mit meinen drahtigen Sprüchen. Der direkte Draht fällt weg und auch beim Drahtseilakt gibt es keinen Halt ohne Draht.

Einige Verbesserungen fallen mir trotzdem ein: Die häßlichen Zahnspangen und die unangenehmen Zahnarztbohrer gehören ebenso der Vergangenheit an wie der elektrische Stuhl oder der viel besungene Maschendrahtzaun.

Da mein Auto unbrauchbar ist, will ich mit Rollerblades zum Bäcker. Aber auch sie funktionieren nicht - auch Kugellager sind Drahtprodukte. Zufuß und halbnackt - keine Häckchen, Ösen und Reißverschlüsse mehr zu haben, ist schon unangenehm - mache ich mich auf den Weg. Ich trete vor die Tür und falle und falle und falle. Ich hatte vergessen, dass ich auch eine lange Stahlbetontreppe habe...

In diesem Moment erwache ich und beschließe, die Drahtzieher in unserer Straße mit neuen Augen zu betrachten...

 
 
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