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Amokfahrt endet für Plettenberger Lkw-Fahrer tödlich

WDR 2, Zwischen Rhein und Weser, April 2005

Stellen Sie sich vor, Sie sind unterwegs und Sie werden von der Polizei mit Blaulicht angehalten. Allerdings werfen Ihnen die Polizisten nichts vor, sondern fordern Sie auf bei einem Polizeieinsatz zu helfen. So erging es vor einer Woche einem Lkw-Fahrer aus Plettenberg. Er sollte seinen Laster quer stellen, um einen Amokfahrer aufzuhalten. Noch bevor die Aktion beendet war, kam der Amokfahrer angerast. Er fuhr in das Führerhaus und tötete den Plettenberger Familienvater. Heute (08.04.) hat sich der Innenausschuss des Thüringer Landtags mit dem Polizeieinsatz beschäftigt. Torsten Dreyer berichtet:

Genau heute Morgen vor einer Woche: Der 55jährige Lkw-Fahrer Berti aus Plettenberg ist in Thüringen mit seinem voll beladenen 40 Tonnen auf der Landstraße unterwegs. Nur wenige Minuten später ist er tot.

"Wir sind nur durch einen Telefonanruf durch die Polizei informiert worden, dass er bei einer Straßensperre von einem Amokfahrer zwischen Fambach und Zwick tödlich verletzt wurde. Gelähmt waren wir erst mal. Man konnte das nicht begreifen. Man verstand das gar nicht."

Doris Koch von der gleichnamigen Spedition in Plettenberg steht noch immer unter Schock. Der 55jährige Fahrer gehörte zu den langjährigen Mitarbeitern. 28 Jahre fuhr er für die Spedition, war zuverlässig, ruhig und besonnen:

"Wir haben nur die Information, dass er angehalten worden ist und gebeten worden sei, dass Auto als Sperre zur Verfügung zu stellen. Ich kann mir eine Bitte nicht vorstellen. Ich kann mir nur vorstellen, dass man massiv an ihn herangetreten ist."

Der vergangenen Freitag geht als schwärzester Tag in die Geschichte der Spedition ein.

"Es haben Kollegen, erwachsene Männer mit Tränen in den Augen � die konnten nicht mehr. Als die von der Tour zurückkamen und haben das gehört, die mussten sich erst mal setzen und sammeln und die haben nur immer gesagt, nein, das gibt�s doch nicht, das kann nicht wahr sein, nicht unser Berti. Also ich habe Männer noch nicht so gesehen � muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen."

Der Lkw-Fahrer hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Unterdessen hat die Unfallkasse Thüringen erklärt, dass sie der Witwe eine Rente zahlen wird. Eine erste Sofortzahlung hat die Frau inzwischen erhalten. Aber die Frage bleibt, warum die Polizisten die Situation so falsch eingeschätzt haben. Schließlich hatte der 23jährige Amokfahrer zuvor schon zahlreiche Lichtmasten, Gartenzäune und Betonpfeiler gerammt. Außerdem wechselte er immer wieder auf die Gegenfahrbahn und überfuhr rote Ampeln. Selbst eine geschlossene Bahnschranke konnte den 23jährigen nicht aufhalten. Die Kollegen, Familie und die Spedition verlangen eine genaue Aufklärung:

"Die ganze Sache muss aufgeklärt werden. Uns ist die Absicherung der Witwe � das ist vorrangig und das ist das Wichtigste für uns. Den Menschen können wir leider nicht zurückbringen lebend, aber wenigstens, dass die Witwe finanziell für ihr weiteres Leben gut abgesichert ist."

Bisher ist nur bekannt, dass es bei der Verfolgung eine Reihe von Pannen gab und dass der 23jährige Amokfahrer erst zwei Tage vorher aus der Psychiatrie entlassen wurde.

 
 
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